Vom Gaudi-Hans und seiner Marie

Mitglieder der Narrenzunft geben Fastnachts-Unterricht an der Fürstabt-Gerbert-Schule.

"S´goht dagege", und damit die Grundschulkinder der Fürstabt-Gerbert-Schule über das Brauchtum Fastnacht und die Tradition der Schülerbefreiung Wissenswertes erfuhren, besuchten Gaby Böhler-Nägele und Daniel Böhler von der Narrenzunft "Gaudi-Hans" am Dienstag zu früher Stunde die Schule. Dabei erzählten sie Details über die Geschichte der Narrenzunft und den Narrenfahrplan.

Da kamen sie, die "Gaudi-Marie" und der "Gaudi-Hans" in ihrem kunstvollen Häs. "Gaudi Hi", riefen sie und ernteten von den Kennern unter den Kleinen ein "Gaudi Do". Mit ihren freundlich grinsenden Masken blickten sie in die Reihen von interessierten Grundschulkindern, der Konrektorin Alexandra Pfleghar und weiteren Lehrern. Das Konzept für diesen Unterricht zur Fastnacht steht bereits seit 20 Jahren fest. Denn wegen wüsten Verhaltens einiger Schüler gegenüber den Hästrägern bei einer Schülerbefreiung vor 20 Jahren, habe man sich zu dieser Informationsveranstaltung alle zwei Jahre entschlossen, erklärte das Narrenpaar.


Beim Vorstellen der Figur "Gaudi-Hans" ging Gaby Böhler-Nägele auf Johannes Wasmer aus Segeten im Hotzenwald ein, nach dessen Erscheinungsbild der Gaudi-Hans entstand. Die Grundschüler hörten von einem Aufständischen, einem Salpeterer, der im 18. Jahrhundert lebte. "Er war fürs Trinken und Gläserwerfen in Wirtshäusern bekannt, hielt nicht viel von der Obrigkeit und hatte besonders etwas gegen die Klosterherren in St. Blasien", berichtete sie.

Einmal verfrachtete er gar einige der hohen Herren in den Schweinestall. Folgende Aufschrift auf dem Steckbrief beschrieb ihn so: "Hans Wasmer, der sogenannte Gaudihans, ist circa 55 Jahre, hat einen rothgelben Bart und Haare, ein krummes Maul und trägt Bauernkleider, bisweilen einen schwarzen, blauen und roten Tschoben". Sein Leben endete 1747 im Gefängnis in Waldshut.

Nach dieser Schilderung ging Gaby Böhler-Nägele auf die Saublodere, das Handwerkszeug der Narren, ein. Auch Hans Wasmer habe immer etwas dabeigehabt, meist einen Bengel. Mit der Saubloder wolle man die Zuschauer am Straßenrand necken. "Heute wird die Blase des Schweins an einem Kompressor aufgeblasen, früher noch mit dem Mund", informierte sie. Ob eines der Kinder wisse, warum man die Farben weiß-blau im Kostüm habe, wollte Gaby Böhler-Nägele wissen? "Das sind die Stadtfarben von St. Blasien", rief ein Schüler prompt. Und, betonte Böhler-Nägele, der weiße Strumpf müsse immer links getragen werden.

Nachdem Hans Wasmer vor 62 Jahren als Figur der Narrenzunft wiederbelebt wurde, wurde zwei Jahre später Gaudi-Marie geboren. Schließlich leuchtete den Erschaffern ein, dass Gaudi-Hans auch eine Frau braucht. Dazu nahm man Maria Huber, die Frau von Hans Wasmer. "Sie hatte ein Lästermaul und stiftete ihren Hans zu manch einer Tat an", charakterisierte sie Böhler-Nägele. Mit den Worten "D´Halunke fort, gel Männle dir hämmer gwunke, ghörsch halt au zu de Halunke" und den Kochlöffel schwingend, holte sie ihren Hans regelmäßig aus den Wirtshäusern. Für die jetzt aufgeklärten kleinen Zuhörern ging es nach einer Fragerunde wieder zurück in den Unterricht.


Hier geht es zum Artikel: http://www.badische-zeitung.de/st-blasien/vom-gaudi-hans-und-seiner-marie

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